Eßlingen

Altes Rathaus 1961 vor dem Abbruch
Eßlingen ist als Stadtteil von Tuttlingen mit seinen verträumten Winkeln und der idyl-
lischen Lage im Krähenbachtal klein aber fein. Seit der Verkehr umgeleitetist, können
die Eßlinger die Vorzüge Ihres Dorfes in vollen Zügen genießen. Die Fertigstellung
der neuen Bundesstraße B 523, die als wichtiger Autobahnzubringer nun am nörd-
lichen Talhang den Ort umgeht, brachte schließlich im Jahre 1986 die herbeige-
sehnte Verkehrsentlastung. Nicht nur die Wohnqualität hat gewonnen, sondern be-
deutende öffentliche und private Sanierungsmaßnahmen haben dem Gemeinde-
leben neue Impulse gegeben. So wurde die Pfarrscheuer 1985/86 im Rahmen des Dorf-
entwicklungsprogramms zu einem Gemeindezentrum umgebaut. Die Pfarrscheuer ist
heute in Eßlingen mit die wichtigste Einrichtung für Vereine und Menschen. Der
Pfarrschopf mit seinem schönen Fachwerk wurde ebenfalls renoviert sowie zahlreiche
private Häuser im Rahmen der Dorfentwicklung. Mit dem Pfarrschöpfle. dem Pfarr-
haus, der Pfarrscheuer und der St. Jakobus Kirche besitzt Eßlingen ein harmonischen
"Vierergestirn im Ortskern, das in der Region (fast) einzigartig ist.

Vierergestirn im Ortskern
Esslingen begegnet uns erstmal als Ezze Linga 1225 und als Ezzelingen 1275 in alten
Urkunden. der Ortsname leitet sich wohl von einem Ezziloab, der sich mit
seinen Familienangehörigen und mit Unfreien im Laufe des frühen Mittelalters hier
niederließ und den Ort gründete. Esslingen und Möhringen waren über Jahrhunderte
hinweg miteinander verbunden. Zusammen mit Ippingen bildete Esslingen die Herrschaft
Möhringen, die 1520 fürstenbergisch wurde.Esslingen fiel 1806 an das Großherzogtum
Baden. Es gehörte anfänglich zum Bezirksamt Möhringen und nach dessen Auflösung
anno 1844 zu Donaueschingen. Bis zur Verwaltungsreform in den Siebzigern gehörte
Esslingen wie Möhringen zum Landkreis Donaueschingen. Am Juli 1972 trat die
selbstständige Gemeinde Esslingen der Stadt Tuttlingen als erster Stadtteil bei.
Mit dem Eingemeindungsvertrag wurde auch die Ortsschaftsverfassung eingeführt.
Sie hat sich, rückblickend betrachtet, bewährt: Obwohl jetzt zur Stadt gehörend,
hat sich Esslingen sein "Eigenleben" bewahrt. Der Ortschaftsrat, der aus sechs
Mitgliedern und dem Ortsvorsteher besteht, berät die örtlichen Angelegenheiten und
fasst im Rahmen seiner Zuständigkeiten Beschlüsse. Der Eingliederungsvertrag
sieht die sog. Unechte Teilortswahl vor, so dass Esslingen stets ein Gemeinde-
ratsmandat fällt.
Ein langjähriger Tuttlinger Stadtrat meinte damals: "Esslingen hat den Ring um Tutt-
lingen gesprengt". Die Esslinger brauchen diesen Schritt nicht zu bereuen, so wurde
im Tiefbau in den letzten (drei) Jahrzehnten kräftig investiert: Abwasserkanäle, eine neue
Wasserversorgung (Tiefental, Hochbehälter Heusack), Sammelkläranlage und schließ-
lich Abwasserdruckleitung nach Möhringen. Eine segensreiche, wenngleich nicht unum-
strittene öffentliche Einrichtung ist der KIndergarten, den Esslingen1976 bekam. Bau-
gelände wurde und wird abschnittsweise erschlossen. Derzeit stehen u. a. mit dem
Baugebiet Gassenäcker 15 erschlosseneund damit baureife Grundstücken für "Bau-
willige" zur Verfügung. Mit dem neugestalteten Spiel- und Freizeitbereich Brühl
sowie mit der innerörtlichen Renaturierung des Krähenbaches wurde Esslingen weiter
aufgewertet. Die neuen, größeren Schleifen und Flachwasserzonen des Krähenbaches
laden Kinder und Erwachsene zum Spielen und Verweilen ein. Zudem wurde durch die
Querschnittsvergrößerung des Krähenbachs (ca. 800 cbm Material wurde dem
Bachbett entnommen)ein Schritt zum Hochwasserschutz im Ort ereicht. Ohne
wohlwollen und guter Kommunikation mit der finazstarken "Mutter" Tuttlingen wäre
manches nicht oder anders gekommen.

neugestalteter Spiel- und Freizeitbereich Brühl
Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hat auch in Esslingen sichtbare Spuren hin-
terlassen. Ende 2005 wird in Esslingen keine Landwirtschaft im Voll- bzw. Nebenerwerb
betrieben. Dafür zählen derzeit 13-15 Pferde auf unser Gemarkung. Die land-
wirtschaftlichen Flächen überwiegend Grünland, werden zum großen Teil von Land-
wirten aus Talheim bewirtschaftet.
Das Ortsleben wird insbesondere durch die Vereine geprägt. Der jährliche Veranstal-
tungskalender der durch die Ortsverwaltung herausgegeben und an die Haushalte ver-
teilt wird, sowie im Rathaus ausliegt, dokumentiert dies. Die Ortsgruppe des Schwä-
bischen Albvereins sowie die Narrenzunft mit ihrer Narrenfigur "Eßlinger Hannesle"
zählenzu den größten Vereinigungen. Ebenso trägt die Feuerwehr, der Ski-Club
sowie die Katholische Kirchengemeindezum Ortsleben bei.
Es bleibt zu hoffen (und hierfür müssen wir alle Esslinger begeistern), dass auf die
ehrenamtliche Arbeit der Esslinger auch in Zukunft Verlass ist. Dann ist und bleibt
Esslingen zwar ein idyllisch gelegener ländlicher Vorposten - aber ein lebendiges Stück
Tuttlingen.