Geschichte des Schwäbischen Albvereins
Der Schwäbische Albverein, der grösste Wanderverein im ganzen Bundesgebiet,
kann auf mehr als 100 Jahre seines Bestehens zurückblicken. Am 13. August 1888
trafen sich in Plochingen im Gasthaus "Waldhorn" zwölf Vertreter aus sieben um-
liegenden Verschönerungsvereinen, die an diesem Tag den Beschluss fasten, für das
Gebiet der Schwäbischen Alb einen Verein zu gründen, der den Sinn für die Natur und
die landschaftlichen Schönheiten in der Bevölkerung wecken sollte. Die konstituieren-
de Sitzung fand bald danach, am 12. November 1888, statt. Über Sinn und Zweck
des neugegründeten Vereins wurde in § 1 der damaligen Satzung folgendes festgelegt:
"Der Schwäbische Albverein betrachtet als das Gebiet seiner Tätigkeit die ganze
Schwäbische Alb vom Ipf bis zum Heuberg und vom nordwestlichen Steilabfall der Alb
bis zum Brenz- und oberen Donautal".
In § 2 der Satzung wurde festgelegt, dass sich der Verein "die Aufgabe stellt, für die-
ses Gebiet alle jene Einrichtungen zu treffen und zu fordern , welche geeignet sind,
Wanderungen zu erleichtern und deren Genuss zu erhöhen, insbesondere die
Kenntnisse dieses Gebiets nach den verschiedensten Beziehungen zu verbreiten
und den Fremdenverkehr in demselben zu heben,
a) durch die Presse; durch die Ausgabe von Verzeichnissen empfehlenswerter klei-
nerer und grösserer Ausflüge mit genauer Angabe der Entfernung und Unterkunfts-
häuser, durch die Ausgabe guter Touristenkarten, durch die Ausgabe fliegender oder
regelmässig erscheinenden Blätter belehrenden und aufmunternden Inhalts, durch die
Errichtung einer Sammlung von Büchern, Schriften, Karten, Bildern usw., welche die
Schwäbische Alb betreffen,
b) durch Arbeiten; durch Aufstellung von Wegweisern, Höhenbezeichnungen, Tafeln
an Burgwällen, Hügelgräben, Höhleneingängen und sonstigen bemerkenswerten
Stellen, durch Herstellung und Unterhaltung von Wegen, durch Errichten von Ruhebän-
ken, Schutzhütten, Aussichtstürmen usw.
c) durch Veranstaltungen von allgemeinen Festfahrten und Zusammenkünften".
Dies sind die Festlegungen in der Satzung vom Jahre 1888. Das war die Losung der
Gründergeneration, die damals noch von "Festfahrten" sprach; heute werden die
Worte Wanderungen oder Wandertreffen verwendet. Trotz der Wandlungen lässt sich
feststellen, wie wenig sich über mehr als 100 Jahre verändert hat. Manches kam hinzu,
vieles wurde vertieft und ausgeprägt. Die Gründer des Schwäbischen Albvereins wa-
ren vorausschauende und vorausplanende Männer, da heute noch die damals festge-
legten Vereinszwecke Gültigkeit haben.
Die Initiative zur Gründing des Albvereins erfolgte von dem Esslinger Arzt Dr. Salz-
mann, der zur Sitzung am 13. August 1888 eingeladen hatte. Er wurde sogleich zum
ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt. Nach seinem frühen Tod im Jahre 1890
übernahm der Esslinger Rechtsanwalt Ernst Camerer die Leitung des Vereins, die er
1913 an den späteren Tübinger Gymnasialprofessor Eugen Nägele übergab.
Die Aktivitäten des Vereins wurden ausgedehnt, so dass die Schwäbische Alb als
Wandergebiet erschlossen wurde und der Gedanke des Wanderns in die verschiede-
nen Volksschichten getragen wurde. Der Verein breitete sich rasch im Gebiet der
Schwäbischen Alb aus. Die Bildung der Gaue erfolgte ab dem Jahre 1891, noch vor
der Gründung der Ortsgruppen. Die Gauehatten die Aufgabe, überörtliche Wanderun-
gen zu organisieren, Wanderwege zu erkunden, zu markieren und die Ortsgruppen zu
betreuen. 1889 wurden die Albvereinsblätter auf Anregung undunter Leitung von Eugen
Nägele begründet. Das Albvereinsabzeichen wurde 1890 geschaffen und blieb
bis heute unverändert.

Das Wappen des Schwäbischen Albvereins
Der Schwäbische Albverein wuchs bald über das ursprüngliche festgelegte Gebiet hinaus.
Es entsatnden auch Ortsgruppen im Vorlandder Alb, im Oberland, im Neckartal bis hin
zum Taubergrund. Heute sind im Albvereinsgebiet ca. 12.000 km Wanderwege bezeich-
net. Inmitten dieses Netzen von Wegen wurde im Laufe von mehr als 100 Jahren
eine Vielzahl von Aussichtstürmen, Wanderheimen und Schutzhütten erstellt. Hinzu
kam auch die Durchführung von mehrtägigen Vereinswanderungen, die Veranstaltung
geseliger Abende, Vortagsveranstaltungen usw. Der Natur- und Landschaftsschutz kam
erst später dazu, ist aber heute mit die Hauptaufgabe dern Wandervereine.
Dem Volks- und Wanderlied, dem Laienspiel und Volkstanz, dem Brauchtum und der
Volkskunde widmet der Schwäbische Albverein von jehner besondere Aufmerk-
samkeit. Durch die Blätter des Schwäbischen Albvereins werden die Mitglieder in
vielen interessanten Gebieten laufend unterrichtet.
Auf die Förderung des Wanderns zielt auch die Ausgabe von Wanderkarten, die der
Schwäbische Albverein seit seinen frühesten Jahren in Zusammenarbeit mit dem
Landesvermessungsamt Baden-Württemberg an seine Mitglieder als Vereinsgabe
ausgeliefert. Seit Gründung war der Schwäbische Albverein auch bestrebt, die Erschlies-
sung der Alb und des Vorlandes durch die Veröffentlichung von einschlägigem Schrift-
tum zu fördern.
Das Wandern ist heute wie auch bereits vor 100 Jahren eine gesundheitlich wertvolle
körperliche Bewegung in Natur und Landschaft. Früher sind die Menschen mehr zu
Fuss gegangen als heute, dies hat jedoch seinen Grund darin, dass entsprechende
Fortbewegungsmittel nicht in dem Maße wie heute zur Verfügung standen. Heute geht
es um Wandern als Selbstzweck, alsoum das Zufussgehen ohne bestimmten An-
lass und ohne ein Ziel, das man aus irgendwelchen Gründen erreichen muss. Es geht
um das besinnliche Wandern, um die Bewegung des Körpers, um die reine Luft für
die Lunge und um das Erleben der Natur in der freien Landschaft. Der Mitbegründer,
Prof. Eugen Nägele, prägte vor mehr als 100 Jahren den Begriff vom "sozialen Wandern
ohne Standesunterschiede". Dieses Motto hat auch heute noch uneingeschränkte Gül-
tigkeit. Der Albverein hat sich den sich ändernden Verhältnissen angepasst und hat
sich in der heutigen schnelllebigen Zeit um "Oasen der Ruhe", um Rundwanderwege
und um Wanderparkplätze für Autofahrer gemüht.
Die Anliegen des Schwäbischen Albvereins um Heimat, Wandern und Naturschutz sind
heute nötiger denn je. Der Verein fühlt sichweiterhin der Sache der Heimat verpflichtet
und wird versuchen als Hüter von Natur und Landschaft denen, die uns nachkommen,
einen gesunden Lebensraum zu hinterlassen.